JB#02(1007)
„Deutschsprachige“ Whiskies
Offener






Reisetbauer 1996



Holle Rauchmalz und Red Wine Cask



Single Lakeland



Der schwedische Mackmyra


Warum deutschsprachige Whiskies?

Die Malt Germaniacs sind die lokale Vertretung für den deutschsprachigen Raum, also neben Deutschland auch für Österreich und die Schweiz.Auch in diesen Ländern wird Whisky gebrannt, da liegt es nahe, einmal einen genaueren Blick auf die eigenen Erzeugnisse zu werfen und sie mit den „Originalen“ aus Schottland und Irland zu vergleichen.

Die Geschichte

Der erste, der in Deutschland Single Malts hergestellt hat, war Robert Fleischmann aus dem fränkischen Eggolsheim. Im Jahr 1983 kam er auf die Idee, neben Obstbränden auch Whisky zu brennen und benannte die erste Abfüllung nach seinem Lokal „Blaue Maus“. Heute hat er fünf Sorten Single Malt sowie einen Single Grain im Angebot. Bei allen Abfüllungen handelt es sich dabei um Einzelfässer, die zwischen 6 und 8 Jahre alt sind. In Österreich stammen die ersten Brennversuche meines Wissens aus der Mitte der 90er Jahre von der Brennerei Roggenhof im Waldviertel, deren Whisky allerdings – nomen est omen – aus Roggen gebrannt wird. Der erste österreichische Single Malt dürfte vom Obstbrenner Reisetbauer aus dem Jahr 1996 stammen. In der Schweiz begann die Brennerei Holle erst 1999 mit der Whiskyproduktion, vorher war die Destilation von Grundnahrungsmitteln und damit auch Getreide verboten. Heute gibt es auch in der Schweiz mehrere Destillerien.

Die deutsche Speyside

Die größte Ballung von Whisky-Destillerien in Deutschland findet sich sich nicht etwa in Bayern, sondern auf der Schwäbischen Alb, im Dreieck zwischen Stuttgart, Kirchheim unter Teck und Tübingen. Das „deutsche Dufftown“ heißt Owen und liegt am Fuß der Teck, mit der Brennerei von Christian Gruel, dem Berghof Rabel und der Bellerhof-Brennerei, dazu ganz in der Nähe in Dettingen die Edelobstbrennerei Sigel. In Tübingen brennt Volker Theuer im Gasthof Lamm den „Black Horse“, in Köngen nahe Stuttgart die Brennerei Zaiser ihren „Schwäbischen Whisky“.

Sind alles Single Malts?

Nein! Gruel und Rabel brennen Single Grains, Zaiser mischt verschiedene Getreidesorten, der Black Horse ist ein Blend aus Malt und Grain.Definitive Single Malts kommen von Fleischmann und Lantenhammer („Slyrs“), aber auch vom Weingut Mößlein aus Franken und der Brennerei Sonnenschein.In Österreich brennen Reisetbauer und Weutz Single Malts, in der Schweiz eine ganze Menge: Holle, das Brennerei-Zentrum Bauernhof („Swissky“), Humbel, „Unser Bier“, Ruedi Käser vom Whisky-Castle und die Brennerei Zürcher bei Biel mit dem „Single Lakeland“.

Bekannte Probleme

Die Probleme der einheimischen Malts fängt schon beim Grundprodukt, sprich dem Getreide an. Wer nicht importiert, muss auf regional verfügbares zurückgreifen. Mitteleuropa ist nicht Schottland, entsprechend wachsen in unserem Klima andere Sorten. Mälzen wird niemand selbst, in Schottland machen das inzwischen auch nur noch die wenigsten. Was man gemälzt bekommt, ist in der Regel Gerste, die für das Brauen von Bier gedacht und entsprechend geschmacklich optimiert ist. Auch unser Wasser, zum Einweichen der Gerste und später zum Brauen, schmeckt anders als das schottische, von Torf mal ganz zu schweigen.

Viel entscheidender dürften aber zwei andere Faktoren sein: Die Brennblasen und die Fässer. Von Brennblasen kann meist keine Rede sein, die meisten benutzen Obstbrennapparaturen, die mehr einer Column-/Coffey-Still als einer Pot Still ähneln. Entsprechend gleicht das Ergebnis weit eher dem von schottischen Single Grains oder einem amerikanischen Bourbon oder Rye als einem echten Single Malt.Den Import von gebrauchten Bourbon-, geschweige denn Sherry-Fässern kann sich von unseren Kleinstbrennereien erst recht kaum jemand leisten. Verwendet wird, was verfügbar ist. Das sind in der Regel Weinfässer, ob neu oder als Refill, und es hat schon seinen Grund, warum diese in Schottland nur als Finishing, aber selten für die ganze Lagerzeit Verwendung finden. Zu guter letzt kann sich kaum einer der einheimischen Brenner es leisten, seinen Whisky erst mal 10 oder 15 Jahre zu lagern. Sobald die gesetzlich festgelegten drei Jahre Reifung vorbei sind, wird verkauft, was der Keller hergibt. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Wie schmecken sie?

Von den deutschen Erzeugnissen habe ich inzwischen recht viele probiert. So unterschiedlich sie auch sind, fast allen ist eines gemeinam: ein mehroder weniger störender Beigeschmack nach Maische. Wer schon einmal in Schottland eine Destillerie besucht und seine Nase in eine Mash Tun gesteckt hat, der weiß was ich meine – den Duft von nassem Getreide, am ehesten vergleichbar mit Geruch und Geschmack eines Hefeweizens (Weißbier), nur unangenehmer. Vergleichbar mit den schottischen Malts sind eigentlich nur die Erzeugnisse von Fleischmann (mit Einschränkungen, je nach Fass) und vor allem der Slyrs der Brennerei Lantenhammer am Schliersee. Aus Österreich kenne ich nur den Reisetbauer, der nicht viel besser als die meisten deutschen Erzeugnisse ist, nur teurer. Von den Schweizern habe ich mehrere Abfüllungen von Holle probiert, wobei ein Cask Strength aus dem Rotweinfass noch am besten weg kam.

Nicht, dass wir uns falsch verstehen – das sind alles keine schlechten Schnäpse. Wenn allerdings Single Malt draufsteht, vergleicht man unwillkürlich mit dem, was man aus Schottland oder Irland kennt. Und dagegen anzukommen ist schwierig, wenn man durch Geografie, Ausrüstung und mangelnde Erfahrung benachteiligt ist. Lasst die Jungs nur weiter experimentieren, wenn sie mehr verkaufen, können sie sich auch irgendwann bessere Ausrüstung und bessere Fässer leisten. Die gerade (Juli 2007) erfolgte Eröffnung der umgebauten Brennerei Slyrs mit besseren Brennblasen ist ein vielversprechender Schritt, und man hört sogar, dass Fässer für eine 12jährige Abfüllung zurückgehalten werden.

Öfters mal was neues

Immer wieder stoße ich beim Surfen im Internet auf Obstbrennereien, Gasthöfe oder sonstige Kleinbrenner, die mehr oder weniger aus Spaß an der Freude versucht haben, eigene Whiskies zu brennen. Vieles davon läuft im Verborgenen, für den eigenen Bedarf oder nur zum Ausschank in der eigenen Gaststube. Jede Liste kann daher nur ein Überblick sein, wird aber nie den Anspruch auf Vollständigkeit erheben können.

Wir gegen den Rest der Welt

Und wie stehen wir nun im Vergleich zum Rest der Welt da? Kurzgesagt: Gar nicht so schlecht. Die Japaner muss man dabei außen vor lassen, deren Single Malts können sich trotz durchaus eigenständiger Ansätze jederzeit mit den schottischen und irischen messen. Im Rest der Welt sieht es eher düster raus. Weder die bretonischen, australischen, neuseeländischen, geschweige denn indischen, thailändischen oder sonstigen Abfüllungen sind wesentlich besser als unsere. Ein Lichtblick ist Schweden. Die bisherigen vier „Preludes“ von Mackmyra, das schwedische Pendant zur “Very/Still/Almost Young/There”-Serie von Ardbeg, sind sehr vielversprechend, wenn auch noch zu jung.

Tasting Notes

Hier einige aktuelle Tasting Notes von Abfüllungen aus meiner Vitrine:

Rhöner Whisky, 40% (Brennerei Anton Bischof, Wartmannsroth, Deutschland)
Auge: Helles Gold,
Nase: Sehr getreidelastig, frisch, Obst
Mund: Frisch, leicht scharf, sonst eher trocken und salzig
Hals: Scharf getreidig, leicht bitter, warmer Nachhall
Fazit: Braucht ein wenig Zeit, dann wird er malziger. Unreif, aber nicht unangenehm.

Original Dettinger Whisky, 40% (Edelobstbrennerei Sigel, Dettingen, Deutschland)
Auge: Sehr schönes Rotgold
Nase: Frisch, würzig, helles Obst, Getreide
Mund: Süß, frisch, malzig. Portweinfass? Leichtes Chili.
Hals: Warm, bitter, jetzt stärker getreidig, rauchig
Fazit: Gar nicht mal schlecht, nur der Abgang ist zu bitter!

Reisetbauer Single Malt Whisky 1996, 56% (Hans Reisetbauer Obstbau, Axberg, Österreich)
Auge: Sehr helles Gelb
Nase: Erst stechend säuerlich, dann undefinierbar süß
Mund: Pappsüß, scharf, malzig
Hals: Helles Obst (Birne?), prickelnd scharf, sehr süß und getreidig, kurz
Fazit: Mehr Obstschnaps als Whisky

Holle Single Malt Rauchmalz, 42% (Brennerei Holle, Lauwil, Schweiz)
Auge: Weißwein
Nase: Süßes Getreide, blumig
Mund: Frisch, malzig, trocken
Hals: Warm, leicht rauchig-malzig, mittellang
Fazit: Der Abgang ist gar nicht mal übel

Holle Single Malt Red Wine Cask, 56,4% (Brennerei Holle, Lauwil, Schweiz)
Auge: Rötliches Gold
Nase: Frisch, süß, fruchtig
Mund: Warm, rauchig, Chili, Schoko
Hals: Getreide, Schärfe, warme Frucht, eher lang
Fazit: Bis auf das Getreide im Angang nicht schlecht

Zum Vergleich zwei der Preludes von Mackmyra:

Mackmyra Svensk Whisky Preludium 2, 54,2% (Mackmyra Destilleri, Valbo, Schweden)
Auge: Leicht gelb
Nase: Birne pur, süß, würzig
Mund: Leicht, süß, etwas scharf
Hals: Birne, Vanille, etwas Malz, süß, mittel
Fazit: Sehr schön, leicht fruchtig und süß

Mackmyra Svensk Whisky Preludium 3, 52,2% (Mackmyra Destilleri, Valbo, Schweden)
Auge: Fast Farblos
Nase: Rauch, würzige Frucht
Mund: Warm, salzig, Frucht
Hals: Rauch, Süße mit Frucht, lang
Fazit: Der Ardbeg unter den Schweden

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Keep on tasting!
Jörg Bechtold