Warum deutschsprachige Whiskies?
Die Malt Germaniacs sind die lokale Vertretung für den deutschsprachigen
Raum, also neben Deutschland auch für Österreich und
die Schweiz.Auch in diesen Ländern wird Whisky gebrannt,
da liegt es nahe, einmal einen genaueren Blick auf die eigenen
Erzeugnisse zu werfen und sie mit den „Originalen“
aus Schottland und Irland zu vergleichen.
Die Geschichte
Der erste, der in Deutschland Single Malts hergestellt hat, war
Robert Fleischmann aus dem fränkischen Eggolsheim. Im Jahr
1983 kam er auf die Idee, neben Obstbränden auch Whisky zu
brennen und benannte die erste Abfüllung nach seinem Lokal
„Blaue Maus“. Heute hat er fünf Sorten Single
Malt sowie einen Single Grain im Angebot. Bei allen Abfüllungen
handelt es sich dabei um Einzelfässer, die zwischen 6 und
8 Jahre alt sind. In Österreich stammen die ersten Brennversuche
meines Wissens aus der Mitte der 90er Jahre von der Brennerei
Roggenhof im Waldviertel, deren Whisky allerdings – nomen
est omen – aus Roggen gebrannt wird. Der erste österreichische
Single Malt dürfte vom Obstbrenner Reisetbauer aus dem Jahr
1996 stammen. In der Schweiz begann die Brennerei Holle erst 1999
mit der Whiskyproduktion, vorher war die Destilation von Grundnahrungsmitteln
und damit auch Getreide verboten. Heute gibt es auch in der Schweiz
mehrere Destillerien.
Die deutsche Speyside
Die größte Ballung von Whisky-Destillerien in Deutschland
findet sich sich nicht etwa in Bayern, sondern auf der Schwäbischen
Alb, im Dreieck zwischen Stuttgart, Kirchheim unter Teck und Tübingen.
Das „deutsche Dufftown“ heißt Owen und liegt
am Fuß der Teck, mit der Brennerei von Christian Gruel,
dem Berghof Rabel und der Bellerhof-Brennerei, dazu ganz in der
Nähe in Dettingen die Edelobstbrennerei Sigel. In Tübingen
brennt Volker Theuer im Gasthof Lamm den „Black Horse“,
in Köngen nahe Stuttgart die Brennerei Zaiser ihren „Schwäbischen
Whisky“.
Sind alles Single Malts?
Nein! Gruel und Rabel brennen Single Grains, Zaiser mischt verschiedene
Getreidesorten, der Black Horse ist ein Blend aus Malt und Grain.Definitive
Single Malts kommen von Fleischmann und Lantenhammer („Slyrs“),
aber auch vom Weingut Mößlein aus Franken und der Brennerei
Sonnenschein.In Österreich brennen Reisetbauer und Weutz
Single Malts, in der Schweiz eine ganze Menge: Holle, das Brennerei-Zentrum
Bauernhof („Swissky“), Humbel, „Unser Bier“,
Ruedi Käser vom Whisky-Castle und die Brennerei Zürcher
bei Biel mit dem „Single Lakeland“.
Bekannte Probleme
Die Probleme der einheimischen Malts fängt schon beim Grundprodukt,
sprich dem Getreide an. Wer nicht importiert, muss auf regional
verfügbares zurückgreifen. Mitteleuropa ist nicht Schottland,
entsprechend wachsen in unserem Klima andere Sorten. Mälzen
wird niemand selbst, in Schottland machen das inzwischen auch
nur noch die wenigsten. Was man gemälzt bekommt, ist in der
Regel Gerste, die für das Brauen von Bier gedacht und entsprechend
geschmacklich optimiert ist. Auch unser Wasser, zum Einweichen
der Gerste und später zum Brauen, schmeckt anders als das
schottische, von Torf mal ganz zu schweigen.
Viel entscheidender dürften aber zwei andere Faktoren sein:
Die Brennblasen und die Fässer. Von Brennblasen kann meist
keine Rede sein, die meisten benutzen Obstbrennapparaturen, die
mehr einer Column-/Coffey-Still als einer Pot Still ähneln.
Entsprechend gleicht das Ergebnis weit eher dem von schottischen
Single Grains oder einem amerikanischen Bourbon oder Rye als einem
echten Single Malt.Den Import von gebrauchten Bourbon-, geschweige
denn Sherry-Fässern kann sich von unseren Kleinstbrennereien
erst recht kaum jemand leisten. Verwendet wird, was verfügbar
ist. Das sind in der Regel Weinfässer, ob neu oder als Refill,
und es hat schon seinen Grund, warum diese in Schottland nur als
Finishing, aber selten für die ganze Lagerzeit Verwendung
finden. Zu guter letzt kann sich kaum einer der einheimischen
Brenner es leisten, seinen Whisky erst mal 10 oder 15 Jahre zu
lagern. Sobald die gesetzlich festgelegten drei Jahre Reifung
vorbei sind, wird verkauft, was der Keller hergibt. Ausnahmen
bestätigen die Regel.
Wie schmecken sie?
Von den deutschen Erzeugnissen habe ich inzwischen recht viele
probiert. So unterschiedlich sie auch sind, fast allen ist eines
gemeinam: ein mehroder weniger störender Beigeschmack nach
Maische. Wer schon einmal in Schottland eine Destillerie besucht
und seine Nase in eine Mash Tun gesteckt hat, der weiß was
ich meine – den Duft von nassem Getreide, am ehesten vergleichbar
mit Geruch und Geschmack eines Hefeweizens (Weißbier), nur
unangenehmer. Vergleichbar mit den schottischen Malts sind eigentlich
nur die Erzeugnisse von Fleischmann (mit Einschränkungen,
je nach Fass) und vor allem der Slyrs der Brennerei Lantenhammer
am Schliersee. Aus Österreich kenne ich nur den Reisetbauer,
der nicht viel besser als die meisten deutschen Erzeugnisse ist,
nur teurer. Von den Schweizern habe ich mehrere Abfüllungen
von Holle probiert, wobei ein Cask Strength aus dem Rotweinfass
noch am besten weg kam.
Nicht, dass wir uns falsch verstehen – das sind alles keine
schlechten Schnäpse. Wenn allerdings Single Malt draufsteht,
vergleicht man unwillkürlich mit dem, was man aus Schottland
oder Irland kennt. Und dagegen anzukommen ist schwierig, wenn
man durch Geografie, Ausrüstung und mangelnde Erfahrung benachteiligt
ist. Lasst die Jungs nur weiter experimentieren, wenn sie mehr
verkaufen, können sie sich auch irgendwann bessere Ausrüstung
und bessere Fässer leisten. Die gerade (Juli 2007) erfolgte
Eröffnung der umgebauten Brennerei Slyrs mit besseren Brennblasen
ist ein vielversprechender Schritt, und man hört sogar, dass
Fässer für eine 12jährige Abfüllung zurückgehalten
werden.
Öfters mal was neues
Immer wieder stoße ich beim Surfen im Internet auf Obstbrennereien,
Gasthöfe oder sonstige Kleinbrenner, die mehr oder weniger
aus Spaß an der Freude versucht haben, eigene Whiskies zu
brennen. Vieles davon läuft im Verborgenen, für den
eigenen Bedarf oder nur zum Ausschank in der eigenen Gaststube.
Jede Liste kann daher nur ein Überblick sein, wird aber nie
den Anspruch auf Vollständigkeit erheben können.
Wir gegen den Rest der Welt
Und wie stehen wir nun im Vergleich zum Rest der Welt da? Kurzgesagt:
Gar nicht so schlecht. Die Japaner muss man dabei außen
vor lassen, deren Single Malts können sich trotz durchaus
eigenständiger Ansätze jederzeit mit den schottischen
und irischen messen. Im Rest der Welt sieht es eher düster
raus. Weder die bretonischen, australischen, neuseeländischen,
geschweige denn indischen, thailändischen oder sonstigen
Abfüllungen sind wesentlich besser als unsere. Ein Lichtblick
ist Schweden. Die bisherigen vier „Preludes“ von Mackmyra,
das schwedische Pendant zur “Very/Still/Almost Young/There”-Serie
von Ardbeg, sind sehr vielversprechend, wenn auch noch zu jung.
Tasting Notes
Hier einige aktuelle Tasting Notes von Abfüllungen aus meiner
Vitrine:
Rhöner Whisky, 40% (Brennerei Anton Bischof, Wartmannsroth,
Deutschland)
Auge: Helles Gold,
Nase: Sehr getreidelastig, frisch, Obst
Mund: Frisch, leicht scharf, sonst eher trocken und salzig
Hals: Scharf getreidig, leicht bitter, warmer Nachhall
Fazit: Braucht ein wenig Zeit, dann wird er malziger. Unreif,
aber nicht unangenehm.
Original Dettinger Whisky, 40% (Edelobstbrennerei Sigel,
Dettingen, Deutschland)
Auge: Sehr schönes Rotgold
Nase: Frisch, würzig, helles Obst, Getreide
Mund: Süß, frisch, malzig. Portweinfass? Leichtes Chili.
Hals: Warm, bitter, jetzt stärker getreidig, rauchig
Fazit: Gar nicht mal schlecht, nur der Abgang ist zu bitter!
Reisetbauer Single Malt Whisky 1996, 56% (Hans Reisetbauer
Obstbau, Axberg, Österreich)
Auge: Sehr helles Gelb
Nase: Erst stechend säuerlich, dann undefinierbar süß
Mund: Pappsüß, scharf, malzig
Hals: Helles Obst (Birne?), prickelnd scharf, sehr süß
und getreidig, kurz
Fazit: Mehr Obstschnaps als Whisky
Holle Single Malt Rauchmalz, 42% (Brennerei Holle, Lauwil,
Schweiz)
Auge: Weißwein
Nase: Süßes Getreide, blumig
Mund: Frisch, malzig, trocken
Hals: Warm, leicht rauchig-malzig, mittellang
Fazit: Der Abgang ist gar nicht mal übel
Holle Single Malt Red Wine Cask, 56,4% (Brennerei Holle,
Lauwil, Schweiz)
Auge: Rötliches Gold
Nase: Frisch, süß, fruchtig
Mund: Warm, rauchig, Chili, Schoko
Hals: Getreide, Schärfe, warme Frucht, eher lang
Fazit: Bis auf das Getreide im Angang nicht schlecht
Zum Vergleich zwei der Preludes von Mackmyra:
Mackmyra Svensk Whisky Preludium 2, 54,2% (Mackmyra Destilleri,
Valbo, Schweden)
Auge: Leicht gelb
Nase: Birne pur, süß, würzig
Mund: Leicht, süß, etwas scharf
Hals: Birne, Vanille, etwas Malz, süß, mittel
Fazit: Sehr schön, leicht fruchtig und süß
Mackmyra Svensk Whisky Preludium 3, 52,2% (Mackmyra Destilleri,
Valbo, Schweden)
Auge: Fast Farblos
Nase: Rauch, würzige Frucht
Mund: Warm, salzig, Frucht
Hals: Rauch, Süße mit Frucht, lang
Fazit: Der Ardbeg unter den Schweden
Links zum Artikel